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UN-Dekade

Außenseiter und Gruppenzwang

Akteure

Eine Person
Eine Gruppe
Beobachter

Beginn

2005

 

Gruppenzwang, oder Konformitätsdruck, wie die Sozialwissenschaftler es nennen, ist das besondere Verhalten der Menschen in Gruppen. In einer Gruppe verhalten wir uns anders als wir uns allein in bestimmten Situationen verhalten würden. Wir denken darüber nach, was unsere Mitmenschen von uns denken, wenn wir ein bestimmtes Verhalten zeigen, eine Meinung äußern oder ein streitbares Argument vertreten.

Dabei müssen es nicht unbedingt kontroverse Themen wie die Todesstrafe, Abtreibung oder Tierschutz und Vegetarismus sein, die Gruppendruck erzeugen.

Vielfach tritt in sozialen Gruppen der sogenannte Erwünschtheitseffekt ein, das heißt Menschen vertreten bspw. eine Meinung von der sie denken dass Autoritätspersonen wollen, dass man sie vertritt. Man bekundet öffentlich sein Entsetzen über Tiertransporte, aber genehmigt sich zum Abendessen gerne ein Steak. Man ist in der Elterngruppe dafür, dass Raser gnadenlos mit Geldstrafen belegt werden – aber wenn man es selbst eilig hat, tritt man gerne mal stärker auf's Gaspedal.

Wenn alle Freunde plötzlich vom neuen Album der Lieblingsband schwärmen lädt man es sich schon mal aus dem Internet runter – vor Ende der Monatsfrist, wo dann das Taschengeld den Kauf der CD ermöglicht. Man weiß es ist falsch – aber die eigene Position und der Status in der Gruppe zwingen einen gerade dazu, sich anders zu äußern, oder zu handeln, als man es allein tun würde.

Gruppenzwang oder soziale Sanktionierung ermöglichen und unterstützen aber auch positives Sozialverhalten: Wenn eine Gemeinde sich aktiv gegen asoziales Verhalten einsetzt, Gemeinschaftsräume wie Parks, Grünanlagen und Fußgängerzonen in Ordnung hält und Höflichkeit das Straßenbild regiert, dann ist es wahrscheinlicher, dass auch andere, die nicht in dieser  Umgebung ständig wohnen oder arbeiten, sich höflich verhalten und sorgsam mit Mensch und Umwelt umgehen. Warum? Weil “Fremde” nicht auffallen wollen oder zumindest nicht die Wut der Gruppe auf sich ziehen wollen. Weil man “dazugehören” möchte – und nicht zum Outsider werden will.

Gruppenzwang und soziale Normen und Sanktionen ermöglichen auch das Funktionieren unserer Gesellschaft, indem öffentliche und private Räume unterschiedlichen sozialen Verhaltensregeln unterworfen werden. Andererseits sind Phänomene wie häusliche Gewalt ein Beispiel dafür, wie diese Trennung der Räume nicht immer positive Auswirkungen hat.

 

Dieser Text ist zu den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz »Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 Deutschland« freigegeben.

 

Zivile Konfliktbearbeitung

Diskutiere: Wie kann die negative Auswirkung der Gruppendynamik gemindert werden?

 

Schwierig, weil die Gruppendynamik nur durch eine entsprechend etablierte Gruppenkultur abgemildert werden und dies nicht extra für jeden Einzelfall erarbeitet werden kann.

Vieles davon hat auch mit Erziehung zur Toleranz und Akzeptanz, Kritikfähigkeit und Konfliktlösungsverhalten zu tun.

Daher:

  • Es gibt bspw. bei Gruppendiskussionen in Schule oder Freizeitgruppen, festgelegte Feedback-Zeiten, in denen jeder seine Meinung mitteilen kann, ohne dass der Gruppenausschluss gefürchtet werden muss.
  • Es gibt konkrete Feedbackmechanismen, die sicherstellen, dass es Rückmeldung gibt. Ansonsten entsteht die “Die Gruppe hat entschieden, keiner ist verantworlich”-Dynamik.
  • Wenn es um konkrete Projekte geht, hilft der Fokus auf EINE Priorität: Dieser werden dann andere Dinge untergeordnet. Die Konzentration auf die Umsetzung dieses einen Punktes vereint die Gruppenmitglieder hinter einem gemeinsamen Ziel, hinter dem aber auch alle stehen müssen – sonst funktioniert es nicht.