Blutdiamanten-Angola
Akteure
Beginn
Ressourcen wie Diamanten oder Erdöl können zum einen Auslöser für Konflikte sein, sie können aber auch von Konfliktparteien benutzt werden, um Kriege zu finanzieren. Die Nutzung der Diamanten- und Erdölvorkommen Angolas hat dort einen Bürgerkrieg finanziert, der sich mit Unterbrechungen über 27 Jahre (1975-2002) hinzog.
Als Angola 1975 die Unabhängigkeit von Portugal erlangte, ging der zehnjährige bewaffnete Konflikt um die Unabhängigkeit Angolas über in einen Krieg zwischen der linksgerichteten MPLA-Regierung (Movimento Popular de Libertação de Angola) unter Staatspräsident José Eduardo dos Santos und der 1966 gegründeten Rebellenbewegung UNITA (União Nacional para a Independência Total de Angola) von Jonas Savimbi. Fast eine Million Menschen wurde nach Schätzungen in diesem Bürgerkrieg getötet. Vier Millionen Menschen wurden vertrieben oder verloren ihr Zuhause.
Während es in diesem Bürgerkrieg anfänglich noch um die Vorherrschaft der beiden Kriegsparteien ging, weitete sich der Krieg schnell zu einem Stellvertreterkrieg zwischen der Sowjetunion und den USA aus. Im Kriegsverlauf spielten wirtschaftliche Interessen ausländischer Unternehmen und Regierungen an den Diamanten- und Erdölvorkommen des Landes eine entscheidende Rolle. Daran beteiligt waren neben den angolanischen Fraktionen auch ausländische Regierungen, Ölkonzerne, Diamantenhändler (wichtigster Abnehmer war das britisch-südafrikanische Unternehmen De Beers) und private Söldnerfirmen (bezahlte ausländische Soldaten).
Während die Rebellen der UNITA ihre Waffenkäufe weitestgehend aus dem Export von Diamanten nach Europa und Nordamerika finanzierten, kontrollierte die MPLA-Regierung den profitablen Ölexport. Die lange Dauer des Konflikts führen Beobachter auch auf das Interesse transnationaler Konzerne zurück, ungestört die Rohstoffvorkommen des Landes auszubeuten und Angola weiterhin in Abhängigkeit zu halten. Zwischen 1992 und 1998 erzielte die UNITA aus Diamantenverkäufen geschätzte Gewinne von etwa 3,7 Milliarden US-Dollar.
Die prowestliche UNITA wurde von den USA und dem Apartheidregime in Südafrika unterstützt. Die sozialistische MPLA-Regierung erhielt direkte Unterstützung durch kubanische Truppen und Finanzhilfen aus der Sowjetunion. Wichtigste Waffenlieferanten der Regierung waren die Sowjetunion und Israel.
Die Versuche, mit Hilfe der Vereinten Nationen (UN) in den Jahren 1991 und 1994 dauerhafte Friedensabkommen zwischen MPLA und UNITA zu vermitteln, scheiterten. Beide Friedensverträge wurden von der Unita gebrochen. 1997 und 1998 verhängte der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen die UNITA, da sie gegen Bestimmungen des Friedensabkommens von 1994 verstoßen hatte. Ziel der Sanktionen war, den Handel mit den „Blut-“ oder „Konfliktdiamanten“ der UNITA zu unterbinden, um dem Krieg damit die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. 1999 schließlich gaben die UN nach jahrelangen Bemühungen um eine Friedenslösung auf und zogen ihre Blauhelm-Soldaten aus Angola ab.
Nach dem Tod ihres Anführers Jonas Savimbi 2002 sah sich die UNITA zu Friedengesprächen gezwungen. Die Regierung rief im März 2002 einseitig einen Waffenstillstand aus, es folgte die Unterzeichnung eines Friedenvertrags zwischen der Regierung und der Unita. Im September 2008 fanden zum ersten Mal seit dem Ende des Bürgerkriegs Parlamentswahlen statt.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Trotz des offensichtlichen Endes des bewaffneten Konflikts in Angola seit dem Jahre 2002 steht das Land vor großen Problemen, um einen langfristigen positiven Frieden zu sichern.
Ein erstes Hindernis besteht paradoxerweise darin, dass das Land sehr reich an diversen Rohstoffen, insbesondere an Öl- und Diamantenvorkommen ist.
Natürlich ist so einerseits eine wichtige finanzielle Grundlage gegeben, um das vom Krieg weitgehend zerstörte Land wieder aufzubauen. Anderseits kann der Ressourcenreichtum dazu führen, dass neue Konflikte über die Verteilung der Rohstofferlöse entflammen. Um diesem Problem Herr zu werden, müssten internationale Kontrollmechanismen aufgebaut werden.
Aus diesem Grund initiierte die britische Regierung bereits im Jahre 2004 die Organisation EITI (Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft). Diese Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht die Zahlungsströme durch Rohstoffexporte transparent zu machen. Es wird also kontrolliert wofür die Regierungen, welche Rohstoffe wie Erdöl oder Diamanten exportieren, ihr Geld ausgeben. Es kann also zukünftig nicht mehr verheimlicht werden, wenn Regierungen die Einnahmen veruntreuen, unterschlagen oder für kriegsfördernde Zwecke benutzen. In einem solchen Falle könnte dann ein internationaler Handelsstopp erfolgen und somit die finanzielle Grundlage für Kriegsführung frühzeitig entzogen werden.
Leider ist die EITI bisher jedoch noch nicht mit eigenen Strafmechanismen ausgestattet worden und so ist die Organisation auf die Kooperationsbereitschaft der Importländer angewiesen. Auch ist die Zahl der rohstoffexportierenden Länder, welche bisher der EITI beigetreten sind, recht gering. Bis zum Ende des Jahres 2011 waren nur 36 Staaten Mitglieder und bedauernswerter Weise gehörte Angola nicht dazu.
Zweitens wird Angolas prosperierende Zukunft durch diverse gesellschaftliche und politische Probleme erschwert. So herrscht momentan eine extreme soziale Ungleichheit, der Staatsapparat funktioniert allgemein nur sehr schlecht und zudem herrscht ein hohes Maß an Korruption. Ausserdem ist die Bereitstellung von öffentlichen Diensten stark eingeschränkt. So ist beispielsweise das Ausbildungsniveau im Bereich der Primärbildung (Grundschule) viel schlechter als noch zu Kolonialzeiten. Auch ist die Rate der Kindersterblichkeit aktuell die höchste der Welt (200 von 1000 Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren sterben).
Drittens hat das Land auch noch mit den direkten physischen und psychischen Kriegsfolgen zu kämpfen. Neben einem allgemeinen Misstrauen innerhalb der Gesellschaft aufgrund alter Feindschaften und einer weitgehend zerstörten Infrastruktur spielt hier auch das Minenproblem eine sehr wichtige Rolle. Denn weite Teile des Binnenlandes Angolas sind immer noch vermint und dies stellt die Bevölkerung selbstverständlich im täglichen Leben vor große Probleme. So können in Angola zum Beispiel weite Teile der fruchtbaren Böden nicht für Landwirtschaft genutzt werden. Andernfalls muss hierfür ein hoher Preis gezahlt werden. Seit dem Kriegsende wurden bereits über 100.000 Menschen durch Minen verletzt!
Was sind jedoch mögliche Lösungen für diese Probleme?
Das Minenproblem muss mit internationaler Unterstützung, ähnlich wie in Bosnien bekämpft werden. Dies ist seit dem Jahre 2004 auch schon der Fall. Verschiedene Akteure nahmen sich bisher der Aufgabe an. Neben einem Regierungsprogramm werden die Räumarbeiten von den Vereinten Nationen im Rahmen des UNDP unterstützt. Auch engagieren sich hier verschiedene NGO's und finanziell auch die Europäische Union. Allerdings werden die Räumungsarbeiten bei den jetzigen Geldmitteln noch eine sehr lange Zeit andauern.
Bezogen auf die gesellschaftliche und politischen Probleme scheinen Lösungen noch schwieriger, allerdings gibt es auch hier erste Ansätze.
Eine erste wichtige Frage ist der Wiederaufbau und insbesondere der Aufbau von Infrastruktur im gesamten Land. Problematisch ist hier, dass die Rohstoffvorkommen fast ausschließlich in den Küstenregionen liegen und der Staat deshalb bisher nur wenig Energie und Geld für den Wiederaufbau im Kernland aufwendete. Da in Angola jedoch momentan ca. 18 Millionen Menschen leben und ca. 4 Millionen Flüchtlinge auf ihre Rückkehr warten, ist es natürlich wichtig, im gesamten Land den Wiederaufbau voranzutreiben. Dies ist auch aus einer anderen Perspektive sehr wichtig. Denn momentan erwirtschaftet Angola 90% seines BIP (Bruttoinlandsprodukt) aus dem Abbau von Ressourcen. Diese werden jedoch langfristig verschwinden und deshalb ist es für das Land sehr wichtig, auch andere Industrie- und Wirtschaftszweige aufzubauen. Beispiele wären etwa eine Ausweitung der Kaffee-, Kakao, Glas-, Stahl-, Textil-, oder Tabakproduktion. Um dies zu erreichen bedarf es jedoch eines effizienteren Staatsapparats, welcher umsichtig und langfristig die Zukunft des Landes plant.
Da gerade im Jahr 2010 eine neue Verfassung verabschiedet wurde, welches Züge eines autoritären Präsidialsystems trägt, erscheint es zunächst unwahrscheinlich, dass die nötigen Umstrukturierungen auf Eigeninitiative der politischen Führung in Angola erfolgen wird. Denn durch die Korruption und Vetternwirtschaft profitiert die aktuelle politische Elite sehr an dem momentanen Zustand.
Es wird deshalb wichtig sein, dass Angola von Aussen zu weiteren Reformen des Staatsaufbaus gedrängt wird. Andernfalls besteht langfristig die Gefahr eines neuen Bürgerkriegs. Internationale Akteure, welche deshalb eine wichtige Rolle spielen könnten, wären etwa der IMF (Internationaler Währungsfond), die EU (Europäische Union) oder auch die WTO (Welthandelsorganisation).









