Deutschland nach der Wehrpflicht
Akteure
Beginn
Die Bundeswehr wurde 1956 gegründet. Bereits im Folgejahr wurden die ersten Wehrdienstleistenden eingezogen. Wehrdienstleistende sind Personen, die durch gesetzliche Regelungen für den Dienst im Militär verpflichtet werden. Diese waren bis zur Aussetzung am 1. Juli 2011 alle männlich.
Früher diente die Bundeswehr dazu, Deutschland zu verteidigen. Noch in den Achtzigern war sie viel größer als heute. Über die Hälfte der Soldaten bestanden aus Wehrpflichtigen. Alle männlichen Jugendlichen mussten zunächst eine sogenannte Musterung über sich ergehen lassen. In dieser wurde festgestellt, ob sie überhaupt tauglich für Wehr- und Zivildienst waren.
Die Möglichkeit, den „Kriegsdienst mit der Waffe“ aus Gewissensgründen zu verweigern und einen Zivildienst in (meist) sozialen Einrichtungen abzuleisten, gab es schon seit 1961 in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Verweigerung musste ausführlich begründet werden.
Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks fiel auch die häufig beschworene Gefahr eines Angriffs aus dem Osten weg. Die Bundeswehr wurde personell deutlich kleiner. Außerdem machten immer mehr junge Männer anstelle der Wehrpflicht den Zivildienst. Dies hing auch damit zusammen, dass die Hürde zur Verweigerung mit den Jahren immer kleiner wurde.
Die „Zivis“ wurden eine wichtige Größe in der personellen Besetzung vieler gemeinnütziger Organisationen im In- und Ausland.
Seit dem 1. Juli 2011 sind der Wehrdienst und der Zivildienst per Gesetz „ausgesetzt“. Dies heißt zwar nicht, dass es beide in Zukunft nicht wieder geben wird. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering, da auch die Infrastruktur (Musterungsbehörden, Weiterbildungstätten usw.) abgebaut oder anders verwendet wird.
Die Bundeswehr ist damit zu einer Berufsarmee geworden, die ihre Soldaten mit normalen Gehältern bezahlt. Der Zivildienst soll durch den Bundesfreiwilligendienst ersetzt werden. Die sogenannten „Bufdis“ werden allerdings nur mit einem Taschengeld entlohnt. Dies beträgt in der Regel 330 Euro und wird vom deutschen Staat bezahlt. Dies verdeutlicht schon, dass die Deutsche Bundesregierung das Militär als wichtiger erachtet als den sozialen Sektor. Außerdem arbeiten bei der Bundeswehr überwiegend Männer, im sozialen Sektor hingegen vorwiegend Frauen. Die ArbeitnehmerInnen im sowieso schon unterbezahlten sozialen Sektor werden im Gegensatz zu den Kollegen im Militär nicht davon verschont, mit Beschäftigten zu konkurrieren, die für ein Taschengeld arbeiten.
Stellen für den Bundesfreiwilligendienst werden im gleichen Bereich wie im sozialen Freiwilligendienst (am bekanntesten ist das FSJ, das Freiwillige Soziale Jahr) geschaffen. Der Bufdi unterscheidet sich dabei durch das geringere Angebot und die Offenheit für alle Altersgruppen. So können auch RentnerInnen Bufdis werden. Im Gegensatz zum FSJ, das sich an junge Menschen wendet (16-27 Jahre). Viele soziale Einrichtungen sind durch ihre Unterfinanzierung auf Freiwillige angewiesen.
Doch auch der pädagogische Anspruch des FSJ ist beim Bufdi nicht mehr gegeben. Da der Bufdi den Zivildienst ersetzt, ist zu erwarten, dass auch Tätigkeiten, die kaum oder keine persönliche Weiterbildung bieten, in das Aufgabenfeld fallen. Außerdem sollte jede Person, welche anstrebt, einen derartigen Dienst zu machen, sich vorher über mehrere Dinge informieren:
Finanziell
Wird das Geld, was ich für den Dienst bekomme, ausreichen, mich selbst zu finanzieren?
Oder brauche ich noch andere Unterstützung z.B. von meinen Eltern?
Wird mein Kinder- oder Arbeitslosengeld weitergezahlt (beim Bufdi ist dies noch nicht ausreichend geklärt)?
Inhaltlich
Ist die Arbeit, die ich tun werde, genau das, was ich tun möchte?
Werde ich ausgenutzt und sollte der Arbeitgeber nicht lieber eine vernünftig bezahlte Arbeitskraft für den Job anstellen?
Ist die Organisation auf die (fast) ehrenamtliche Arbeit von mir angewiesen?
Für was steht die Organisation und sind das auch meine Ideale?
Zeitlich
Ist die Dauer des Dienstes angemessen?
Gerate ich eventuell in Konflikt mit anderen Dingen, die ich mir in meinem Leben vorgenommen habe (z.B. Beginn einer Ausbildung/eines Studiums)?
Es gibt noch viele weitere Fragen, die du klären solltest, bevor du einen Bufdi, FSJ oder anderen Dienst anfängst. Auch wenn du vor hast dabei ins Ausland zu gehen, werden weitere Fragen auf dich zukommen. Allerdings sollte das dich nicht davon abhalten, gerade weil es dafür viele attraktive Stellen gibt und es auch eine schöne persönliche Erfahrung sein kann.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Die Bundeswehr schickt hin- und wieder Personen an Schulen. Dies sind die Jugendoffiziere. Vielleicht waren sie auch schon an deiner Schule oder sie werden noch kommen. Sie werben für die Bundeswehr, auch wenn dies häufig als bloße Information getarnt ist. Auch im Internet, auf sozialen Netzwerken, sind die Jugendoffiziere aktiv.
Was hältst du davon? Glaubst du, dass sie alle Aspekte, die zum Soldatentum dazugehören, erläutern? Glaubst du, sie sprechen auch vom Töten und von der Legitimität ihrer Einsätze?
Wenn du Kriegseinsätze kritisch siehst und ein Problem mit der Perspektive hast, die von den Jugendoffizieren vertreten wird, kannst du etwas dagegen tun.
Setze dich an deiner Schule dafür ein, dass
- die Jugendoffiziere keine Vorträge halten dürfen und damit auch nicht für neue SoldatInnen werben können.
- falls sie doch eingeladen werden, du Fragen vorbereitest, die Kriegseinsätze der Bundeswehr verurteilen und nicht glorifizieren.
- auch VertreterInnen von Friedensorganisationen Vorträge halten dürfen. Du kannst dafür entweder direkt uns kontaktieren oder falls du Freunde/Bekannte/Verwandte bei einer solchen Organisation hast, diese Menschen direkt anfragen.





