Elfenbeinküste
Akteure
Beginn
Die Elfenbeinküste (französisch: Côte d’Ivoire) ist ein Staat im Westen Afrikas, der 1960 die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreichs erlangte. Er zählte lange Zeit zu den reichen Ländern Afrikas, denn Elfenbeinküste ist weltweit der größte Produzent von Kakao und der viertgrößte Produzent von Kaffee. Das Land ist aber auch geprägt von sehr großen ethnischen, konfessionellen und kulturellen Unterschieden: Es umfasst etwa 60 Ethnien, um die 70 Sprachen sowie Muslime (40%), Christen (27%) und verschiedene afrikanische Religionen (33%). Dazu kommt eine Vielzahl von Einwanderern, die wegen der wirtschaftlich guten Lage über Jahrzehnte aus den Nachbarländern Mali, Burkina Faso, Ghana und Liberia ins Land gekommen waren und schließlich nahezu ein Viertel der Bevölkerung ausmachen.
Mit dem Verfall der Weltmarktpreise für Kakao und Kaffee ab den 1980er Jahren begann der wirtschaftliche Abstieg und es folgten erste soziale Spannungen im Land. Ein außerordentliches Problem stellte zudem ab 1993 die Politik der sogenannten Ivorité dar, mit der die Regierung mit Hetzkampagnen und Propaganda eine rassistische Diskriminierung der vielen zugewanderten Ethnien aus den Nachbarländern zu erreichen suchte. Ihnen wurden u.a. ihr Landbesitz streitig gemacht und Wahlrecht und Staatsbürgerschaft verweigert. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass es sich um eine innenpolitische Sündenbocksuche handelte, denn im Vielvölkerstaat Elfenbeinküste, der in mehr oder weniger willkürlichen Grenzen aus dem französischen Kolonialreich herausgelöst worden war, hatte es nie eine einheitliche Nation bzw. Initiativen aus der Bevölkerung zu einer solchen gegeben. Als Konsequenz dieser Politik kam es zu zahlreichen fremdenfeindlichen Gewaltausbrüchen und zur politischen Vernachlässigung des am meisten von der Einwanderung betroffenen Nordens. Diese sozialen, wirtschaftlichen und ethnischen Konfliktlinien bildeten zusammen den Hintergrund der folgenden Kriegshandlungen.
Nachdem im Jahre 2000 die Parlamentswahlen zugunsten von Präsident Laurent Gbagbo manipuliert worden waren, kam es schließlich zu einem Aufstand eines großen Teils der ivorischen Armee (den sogenannten Forces Nouvelles) und ab 2002 zu einem Bürgerkrieg, der das Land in einen von den Forces Nouvelles kontrollierten Nord- und einen von der Regierung gehaltenen Südteil spaltete. Beide Kriegsparteien dehnten dabei teilweise die Kampfhandlungen auf die Zivilbevölkerung aus, auch kam es zu zahlreichen Vertreibungen. Die Teilung des Landes bestand über den Verlauf des Bürgerkrieges hinweg und wurde mit dem Waffenstillstand von 2007 durch eine von Frankreich überwachte Pufferzone vorläufig festgeschrieben.
Präsident Gbagbo schließlich berief sich bei den nächsten landesweiten Präsidentschaftswahlen von 2010 zur Abwehr seines politischen Hauptgegners Alassanne Ouattara (dessen Eltern aus Burkina Faso stammen) ebenfalls auf die rassistische Ivorité, denn Einwanderer bis zur zweiten Generation sollten politisch ausgeschlossen bleiben. Die Wahl wurde dennoch korrekt durchgeführt und zugunsten Ouattaras entschieden, was Präsident Gbagbo aber nicht anerkennen wollte. So kam es zu erneuten Kämpfen zwischen den beiden politischen Lagern, welche zu erneuten Verwüstungen im Land führten. Die Anhänger des von den Vereinten Nationen anerkannten Wahlsiegers Ouattarra siegten schließlich im Jahr 2011, was Beobachter auf eine baldige Befriedung Elfenbeinküste hoffen lässt.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Nach den ordentlichen Wahlen von 2010 und der Vertreibung Gbagbos hat das Land tatsächlich eine Perspektive für eine friedliche, wiedervereinte Zukunft. Dafür muss die ivorische Politik allerdings alle Elemente der Ivorité schnellstmöglich rückgängig machen und Côte d’Ivoire zum gleichberechtigten Lebensraum seiner Bewohner in allen Landesteilen erklären, unabhängig von Herkunft und Religion. Darüber hinaus muss, vorzugsweise unter Hilfe der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union, eine Entwaffnung und Wiedereingliederung der Rebellen der Forces Nouvelles in Gesellschaft und Streitkräfte erfolgen, um im Norden keine erneute bewaffnete Akteursgruppe parallel zum Saat zu ermöglichen.
Hilfreich wäre auch ein aktiver Versöhnungsprozess zwischen den Ethnien des Nordens und Südens mit einer juristischen Aufarbeitung der Kriegsgeschehnisse. Entscheidend ist zudem die Entwicklung einer politischen Kultur, welche auf das Neu-Erlernen gewaltfreier Interessenvertretung aufbaut und bei allen Beteiligten den Respekt für demokratische 'Spielregeln' wieder herstellt.





