Gaçaca
Akteure
Beginn
Gaçaca – das „Graswurzel-Tribunal“ oder auch „Wahrheits-Gericht“ - richtet den ruandischen Völkermord. Gaçaca ist ein traditionelles Gericht aus der Zeit vor der Kolonialisierung in der Gegend des heutigen Ruanda in Afrika. Gaçaca ist eine Grasart, und dieses Tribunal wird so genannt, weil man sich zur Klärung von Problemen im großen Kreis mit den Dorfältesten und Stammesführern auf der Wiese trifft und auf dem Grasboden sitzt. Bei den traditionellen Gaçacas ging es nie zuerst um Bestrafung, sondern um den Erhalt des Friedens untereinander. Der Missetäter wurde dazu verurteilt, sich zu entschuldigen und eine Wiedergutmachung in Form von Nahrung zu „zahlen“. Da meist ganze Familien mit dem Konflikt zu tun hatten, wurde im Anschluss zur Festigung des Friedens gemeinsam mit allen gegessen. Heute werden die Gaçacas sogar genutzt, um die öffentlichen Gerichte zu unterstützen und zu entlasten. Im Mai 1994 kam es zum heftigen Ausbruch des schon lange schwelenden Konflikts zwischen den sogenannten „Hutu“ und „Tutsi“. Dabei wurden knapp eine Million Menschen innerhalb weniger Wochen getötet. Die Gerichte auf Landes- und Gemeindeebene konnten nicht mehr ausreichend besetzt werden, weil zu viele Menschen umgebracht worden waren. Über 100.000 Menschen saßen in den Gefängnissen, da sie gemordet hatten, aber es war zuwenig Personal übrig geblieben, um ihnen den Prozess zu machen. Außerdem war es unmöglich, die Menschen, wie es den ruandischen Gesetzen entsprach, lebenslänglich wegen Mordes einzusperren – es gab keinen Platz mehr in den Gefängnissen. Ein riesiger Anteil der Einwohner Ruandas hatte sich irgendwie beteiligt an dieser unvorstellbaren Welle der Gewalt. Daher erinnerte man sich wieder an die Gaçacas, deren hauptsächliche Aufgabe es schon immer war, nicht zu bestrafen, sondern ein gemeinsames Weiterleben zwischen Konfliktparteien zu ermöglichen. Tausende Gefängnisinsassen wurden seit 2001 entlassen und kehrten in ihre Dörfer zurück, um sich dort dem Urteil ihrer einstigen Nachbarn zu stellen. Es wurden Freiwillige als Richter und Anwälte für die Gaçaca-Verfahren ausgebildet.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Seit 2005 konzentrieren sich die 12.000 Gaçaca-Gerichte nun darauf, Klarheit in die Abläufe der Gewaltausschreitungen von 1994 zu bringen. Es kommen Augenzeugen zu Wort, die Opfer werden benannt, die Ereignisse werden gemeinsam aufgearbeitet und aufgeschrieben. Die Mörder müssen sich bei der Familie und den weiteren Verwandten und Freunden der Opfer entschuldigen und um Vergebung bitten. Wenn sie sich noch erinnern können, zeigen sie den Platz des Mordes, damit eine Bergung und Beerdigung des Leichnams ermöglicht wird.
Wird ein Mord sofort zugegeben, blühen dem Täter nur sieben bis zwölf Jahre anstelle der lebenslänglichen Haftstrafe. Täter, die sehr viele Menschen ermordet haben und die ehemaligen Regierungsbeamte und Regierungschefs, bleiben weiter in den normalen Gerichtsverfahren.
1,2 Millionen Fälle wurden verhandelt und über eine Million Täter wurden verurteilt. Im Laufe des Jahres 2010 wurden die Verhandlungen beendet.
Kritik an diesen Verfahren gibt es auch. Ein wichtiger Kritikpunkt ist, dass diese Form der Rechtsprechung die falschen Signale an Gewalttäter sende: Man kommt trotz Mord und Totschlag davon!
Außerdem würden die Tutsi, die in der Vergangenheit für massenhafte Tötungen verantwortlich waren, nicht gerecht behandelt, da sie dafür unbestraft bleiben.
Dennoch geht es vielen Menschen wie diesem Überlebenden aus der Hauptstadt Kigali: "Ich gehe zu den Gaçaca-Verhandlungen hin und frage die Täter, was hast Du getan, warum hast Du das getan, und wenn die Täter die Wahrheit erzählen, fühle ich mich eigenartig befreit."







