Identitätskonflikt
Akteure
Beginn
In der 7. Klasse der Angela-Davis-Gesamtschule im Süden Hamburgs gibt es zur Zeit richtig Stress. Jungs und Mädels haben sich zu "verfeindeten" Cliquen formiert, und lassen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig zu ärgern. Es kam sogar schon zu Prügeleien zwischen besonders krawallustigen Mädchen und schnell provozierbaren Jungs. Rudolf bekam von Odetta dermaßen in die Rippen getreten, dass diese geprellt waren und er drei Tage zuhause bleiben musste. Glücklicherweise war es bisher nur wenige Male soweit gekommen, und die "Harburger Hasen" streiten sich mit den "Derben Dudes" glücklicherweise meist nur verbal. Manche Kids fühlen sich aber von den derartig lautstark ausgetragenen Konflikten auch ziemlich gestört.
Am Vorabend war wieder Heidi Klum's Topmodel gelaufen und die "Hasen" Leila und Ivanka spielen Catwalk und Model-WG auf dem Schulhof, kichern sich dabei kaputt und haben richtig Spaß. "Mop-Todel-Volltrottel!" rufen die "Dudes", Mahmut und Nikolas, äffen die Mädchen nach, kommen sogar angelaufen und versuchen, ihnen Beine zu stellen. Die Mädels sind innerhalb weniger Minuten auf 180, keifen zurück, zeigen Stinkefinger, und laufen schließlich auf ein geheimes Kommando los zu der Hecke, an denen die BMX-Bikes der Jungen lehnen, setzen sich drauf und hauen ab. Dass es wieder zur Stunde klingelt, ist allen egal, die Mädchen treten in die Pedale so schnell sie können und die Jungs rennen hinterher. "Ihr blöden Zicken! Gebt sofort die Bikes zurück", "Ihr dummen Penner! Geht doch heim zu Mami", verklingen ihre hitzigen Rufe hinter der nächsten Straßenecke…

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Zivile Konfliktbearbeitung
Leila und Ivanka, die "Model-Hasen", die burschikose Odetta, Rudolf, der sich gar mit Mädchen prügelt, Mahmut oder Niklas, sie alle befinden sich auf der Stufe zum Erwachsen-Werden. Sie sind keine kleinen Kinder mehr, sollen sich an Werte und Normen halten, werden schon manchmal gesiezt, man erwartet bereits Verantwortungsbewusstsein und Selbstkontrolle von Ihnen. Gleichzeitig dürfen sie aber eigentlich noch nicht einmal unentschuldigt das Schulgelände verlassen, und für die Eltern sind sie sowieso noch "die Kinder".
In der Jugend befindet sich jeder Mensch in einer Phase der Selbstfindung. Allerdings kann das Erkennen und Ausbauen der eigenen Persönlichkeit nicht in einem Zeitabschnitt wie dem Jugendalter abgeschlossen werden, vielmehr ist es ein lebenslanger Prozess für jeden von uns. Vielleicht sind sie Euch gar nicht so unbekannt, die Fragen
1. Wie bin ich? (die Frage nach der subjektiven Identität),
2. Wie möchte ich sein? (die Frage nach der wünschbaren Identität), oder
3. Für wen hält man mich? (die Frage nach der zugeschriebenen Identität).
Genauso wichtig wie die subjektiv empfundene Identität eines jeden Einzelnen ist die Bildung der "sozialen Rolle", also der Einbindung in Gruppen und die Gesellschaft als solche. Das Selbstwertgefühl junger Frauen ist oft geringer als das junger Männer, auch empfinden sie in dieser Lebensphase öfter Wut und Trauer oder Unsicherheit, als pubertierende Jungs das tun. Jungs wie Mädels sind jedenfalls häufig auf der Suche nach Vor- oder Leitbildern, beliebten, zentralen Figuren der Zeitgeschichte, die eine Orientierung bieten, wie man ebenfalls zu einer beliebten und zentralen Position gelangen könnte. Für Mädels, die etwas andere Bedürfnisse haben als Jungs in der Zeit, können das die "Topmodels" sein, für Jungs sind es Mat Hoffman, Tony Hawk, Shaun White oder Kelly Slater…
Glossar
soziale Rolle = zentrale Kategorie der Soziologie, die die Summe der gesellschaftlichen Erwartungen an das Verhalten eines Inhabers einer sozialen Position (Stellung im Gesellschaftsgefüge) bezeichnet. Diese Verhaltenserwartungen stellen sich als ein Bündel von Verhaltensnormen dar, deren Verbindlichkeit unterschiedlich streng ist. Der Widerspruch verschiedener Rollenerwartungen heißt Rollenkonflikt
Selbst = das Selbst stellt die Wahrnehmung seiner Person mit all seinen Eigenschaften dar.
Peer Group = Bezugsgruppe eines Individuums, die aus Personen gleichen Alters, gleicher od. ähnlicher Interessenlage u. ähnlicher sozialer Herkunft besteht u. es in bezug auf Handeln u. Urteilen stark beeinflusst.
Vorbild = Jugendliche lehnen sich in ihrer Entwicklung an Vorbilder an. Bei einem Vorbild handelt es sich um die Ausrichtung nach dem Verhalten ganz bestimmter Personen, die beispielhaft wirken
Leitbilder = ein allgemeiner Entwurf des künftigen Lebens, ein Wertschema
Identitätskrise = eine grundsätzlich normale und unvermeidbare Irritation der jugendlichen Entwicklung
Identität = die als "Selbst" erlebte innere Einheit der Person, die jene Ziele und Überzeugungen enthält, die eine Person für sich als persönlich wichtig erachtet und denen sie sich verpflichtet fühlt.
Werte = grundlegender ethischer Orientierungsmaßstab menschlichen Urteilens und Handelns
Normen = eine anerkannte, als verbindlich geltende Regel für das Zusammenleben der Menschen





