Integration und Identität
Akteure
Beginn
Jeder Mensch hat auch eine Identität. Im Umgang mit anderen Menschen wird uns das häufig klar. Wenn wir uns jemand fremdes vorstellen und ein wenig Smalltalk führen, fallen häufig Fragen wie „Was machst du?“, „Was hörst du für Musik?“, „Was machst du in deiner Freizeit?“, „Woher kommst du?“. Auch in sozialen Netzwerken, wie etwa Facebook, kannst du viele dieser Details angeben. Du bist Metal-Fan, Punk, Münchnerin, Berliner, BWL-Studentin, Sozialpädagogin, etc. etc.
Unsere Identität setzt sich also vorwiegend aus unseren Vorlieben und unserer Zugehörigkeit zu sozialen Gruppierungen zusammen. Es gibt uns ein höheres Selbstbewusstsein zu wissen, dass wir irgendwo dazugehören.
„Ich spiele gerne Basketball und bin Basketballerin. Ich treffe mich mit Freunden, auch regelmäßig zum Spielen. Ich hänge auch so gerne mit meinen TeamkollegInnen rum und wir schauen uns gerne Matches aus Amerika an. Es gibt mir ein hohes Selbstbewusstsein zu wissen, dass ich vom Team akzeptiert werde. Außerdem kann ich meine Fähigkeiten mit meinen TeamkollegInnen vergleichen und mit denen von gegnerischen Mannschaften. Und selbst wenn wir mal verlieren, so ist das ganze Team daran schuld und wir können uns gegenseitig wieder aufbauen.“
Doch zu bestimmten Gruppen zu gehören bedeutet auch, nicht Mitglied anderer Gruppen zu sein. Es gibt Gruppen, die sich ausschließen. Wenn ich SchülerIn bin, kann ich nicht gleichzeitig RentnerIn sein. Dies kann dazu führen, dass sich Gruppen gegenseitig anfeinden.
„Ich bin Mitglied im Basketball-Team und habe in der Woche keine Zeit, noch andere Sportarten zu betreiben. Ich weiß, dass mir Basketball liegt. Ich spiele es gern und bin einigermaßen gut darin. Auch meine TeamkollegInnen wissen das von sich. Ich kann mir nicht vorstellen, wieso man einen Ball mit den Füßen kicken sollte. Fußball ist sowieso viel zu brutal, wir Basketballer sind viel friedlicher.“
Während die Spieler von Sportmannschaften den Konflikt, in dem ihre Gruppen stehen, auf dem Feld austragen können, haben die Fans keine so streng geregelte Form. Kritisch wird es, wenn die Feindschaft mit Gewalt ausgetragen wird, wie es etwa Hooligans tun.
Hinzu kommt, dass bestimmte Gruppen es nicht wollen, dass jeder ihr Mitglied wird. Nicht jeder kann die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen, nicht jeder kann für Bayern München spielen und nicht jeder kann aufs Gymnasium gehen.
Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:
- Innerhalb der Gruppe müssen die Mitglieder auf eine bestimmte Art und Weise denken, weil dies Teil der Identität der Gruppe ist.
„Du musst intelligent genug sein für das Gymnasium.“
- Innerhalb der Gruppe herrscht größerer Wohlstand als in anderen Gruppen.
„Männliche Bayern München Spieler verdienen mehr als die von Union Solingen.“
Heutzutage werden diese selten so offen genannt. Sie verstecken sich hinter biologischen Begründungen wie „Frauen können besser mit Kindern umgehen, daher ist es gut, wenn sie nicht arbeiten”, historischen Begründungen wie „Europa hat eine bessere Wirtschaft aufgebaut, daher verdient es sich seinen Luxus“, religiösen wie „Gott will, dass nur Mann und Frau zusammen sind“ und vielen weiteren ideologischen Konzepten.
Diese Ideologien dienen dazu, dass ganze System der Gruppen zu festigen. Denn es schafft immer bevorzugte und benachteiligte Gruppen. Beispielsweise gibt es Reiche und Arme (die dazwischen werden zur Vereinfachung hier mal ausgeblendet). Beide glauben an den Kapitalismus, der z.B. sagt, dass jede vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen kann, wenn sie sich nur genug bemüht. Dies ist jedoch die krasse Ausnahme, die verschleiern soll, dass die Gruppe der Reichen eine in sich sehr geschlossene Gruppe ist. Es ist schwierig, dort hineinzukommen, selbst wenn man genauso denkt und handelt. So wird der Wohlstand nicht so stark aufgeteilt und die wenigen Reichen können weiterhin reich sein.
Integration in Deutschland
Wenn in Deutschland von Integration die Rede ist, wird meistens die Integration von Nicht-Deutschen und Deutschen gemeint. Diese Aufteilung beinhaltet schon einige Schwierigkeiten. So werden manche Menschen als Personen mit Migrationshintergrund gesehen. Sie besitzen beispielsweise die deutsche Staatsangehörigkeit, aber ihre Großeltern sind aus der Türkei eingewandert.
Aber wieso sind diese Menschen keine Deutschen? Ist die Integration etwa fehlgeschlagen?
Zunächst einmal muss man die Gründe sehen, wieso Menschen einwandern. Es gab EinwanderInnen, die kamen um einen Job zu finden und Arbeit gab es zu manchen Zeiten in Deutschland genug. Dann gab es welche, denen die Deutsche Staatsbürgerschaft anerkannt wurde, da deren Vorfahren mal aus Deutschland kamen. Das sind die sogenannten SpätausiedlerInnen. Diese wurden meistens von dem höheren Wohlstand im Vergleich zu ihrem Heimatland angelockt. Es gab auch EinwanderInnen die vor Kriegen nach Deutschland flüchteten (Asylsuchende) und nach Beendigung des Krieges in Deutschland blieben. Das sind die wichtigsten Gründe, aber es gibt auch noch viele weitere.
Diese Menschen haben oft einen anderen kulturellen Hintergrund: Andere Praxis der Alltagsgestaltung, sie sind gewohnt auf andere Weisen zu denken. Außerdem geht es den meisten Deutschen ökonomisch gut. Eine große Mehrheit der Deutschen kann sich einen gewissen Luxus leisten, der in anderen Ländern eine krasse Ausnahme darstellt.
Wenn nun die Einwandernden und die Deutschen als zwei Gruppen gesehen werden, so wird klar, wieso die Integration so schwierig fällt.
Zum einen haben die Einwandernden häufig eine andere Art den Alltag zu bewältigen. Das sind nicht nur andere religiöse und kulturelle Bräuche, sondern auch Essgewohnheiten, andere Freizeitbeschäftigungen bis hin zu anderen Arten die Schuhe zu binden. Da wir es gewohnt sind, unsere Art den Alltag zu bewältigen als richtig anzusehen, kann es passieren, dass wir das, was davon abweicht, als nicht richtig bewerten. In diesem Fall kommt es zur Diskriminierung aufgrund der Andersartigkeit der Einwandernden.
„Die sind nicht so wie wir und die wollen sich auch nicht anpassen.“ Oder sogar „Die sind anders und die werden nicht wie wir, deswegen sollen die fortbleiben.“
Zum Zweiten kommen die Einwandernden in Deutschland zu einem Großteil aus Ländern in denen weniger Wohlstand herrscht. Die Gruppe der Deutschen sieht sich also darin bedroht, ihren Wohlstand zu verlieren. Außerdem kann sie sich als diese andere Gruppe nur definieren, weil die Einwandernden anders denken. So fällt es beispielsweise Frauen in Chefetagen leichter aufzusteigen, wenn sie sich wie Männer verhalten, da das Business von Männern beherrscht ist. Jedoch ist diese Verhaltensanpassung noch kein Garant für die Aufnahme in die Gruppe der Chefetage: Karrierefrauen wird mit Vorurteilen begegnet, da sie ursprünglich in der Gruppe der Männer in Chefetagen fremd sind. Ebenso schwer haben es EinwanderInnen in Deutschland. Selbst bei vollkommener Assimilation (d.h. wenn sie so denken/reden/sind wie Deutsche) sind sie mit Vorurteilen konfrontiert. So werden Personen mit ausländisch klingenden Namen bei gleicher Qualifikation bei der Jobvergabe benachteiligt.
Dies alles zeigt, dass die Gruppe der Deutschen – zu der die Personen gehören, die sich als deutsch verstehen und als deutsch verstanden werden – ihren Wohlstand nicht teilen möchte. Außerdem schätzen sie die Art wie sie ihr Leben bewältigen zu sehr als die richtige Art ein. So entsteht der Integrationskonflikt.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Eine Gruppe ist nur eine Möglichkeit
Wir alle gehören Gruppen an und wir alle wollen zum Teil Gruppen angehören. Wir wollen vielleicht Handballerin, HipHopper oder deutsch sein. Das führt auch zunächst nicht zu Problemen. Die Probleme resultieren erst aus Zuschreibungen, die Nichtmitglieder der jeweiligen Gruppe als negativ darstellen. Auch wenn bestimmte Personen aus der Gruppe ausgeschlossen werden, weil sie sich anders verhalten oder aussehen, kann dies zu negativen Konsequenzen führen.
„Männer zeigen ihre Gefühle nicht.“ Wenn nun ein Klassenkamerad sehr emotional reagiert und nicht mit der erwarteten Coolness der Jungs alles runterschluckt, so gilt er schnell als unmännlich. Aber eine Frau scheint er ja auch nicht zu sein. Es gilt zu respektieren, dass die Gruppe Männer nicht jedem entspricht und sich nicht jeder in diese Gruppe einordnen will, der anscheinend biologisch dort reingehört. Es ist gut, wenn Menschen nicht einer Gruppe angehören, denn sie zeigen uns die schöne Vielfalt der menschlichen Existenz. Wir sollten also akzeptieren, dass diese Person nicht nur Mann sein will, sondern die Nichtzugehörigkeit zur Gruppe als interessant empfinden. Vielleicht wollen wir auch nicht immer nur Mann, Frau, Deutsch oder Lehrerkind sein. Wir können uns bewusst nach Arten umschauen den Alltag anders zu gestalten, als eine dieser Gruppen es macht. Der Außenseiter verwirklicht sich vielleicht mehr als der Gruppen-Insider.
Vorurteile abbauen
„Nun gibt es aber Menschen die nicht so tolerant sind.“ Ja, Vorurteile existieren und wir können niemals ohne Vorurteile leben, schließlich vereinfachen sie auch das denken. Aber wir sollten versuchen uns über die Vorurteile bewusst zu werden, die für andere Menschen negative Konsequenzen haben. Das ist im obigen Beispiel gut verdeutlicht.
Es gibt aber auch Situationen, die dazu führen, dass Vorurteile entstehen. Eine davon kann eine Klassensituation sein, die zu stark auf Konkurrenz ausgelegt ist. Der Psychologe Gordon Allport hat vier Kriterien aufgestellt, die ihr versuchen könnt, in Absprache mit eurem Lehrer umzusetzen:
1. Aller Personen haben den gleichen Status.
D.h. es gibt keine Experten, die in einem Fach besser sind und daher den anderen etwas beibringen und Jungs sind in Mathe nicht besser als Mädels. Selbst wenn es so sein sollte, sind in dieser Situation alle gleichberechtigt. So darf jemand, der wenig Ahnung von etwas hat, genauso etwas sagen, wie jemand, der viel davon weiß; und den beiden wird genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt.
2. Es wird kooperiert.
Alle arbeiten zusammen und nicht gegeneinander.
3. Es gibt gemeinsame Ziele.
Alle steuern ein gemeinsames Ziel an, das sie auch alle erreichen wollen. Die Personen werden auch nicht einzeln bewertet, sondern als Gruppe.
4. Alles ist in einen institutionellen Rahmen gefasst.
Der Lehrer und die Schule stehen hinter dieser Klassensituation und unterstützen es.
In dieser konkurrenzlosen Situation werdet ihr euch als Klassengemeinschaft fühlen und die Vorurteile die eventuell gegenüber Geschlecht, Herkunft, Fähigkeiten, usw. bestanden werden verschwinden. Dies wird sogar andauern und ihr werdet im späteren Leben viel leichter mit Unterschieden zurechtkommen.








