Jemen
Akteure
Beginn
Der Jemen ist ein sehr wasserarmer Wüstenstaat mit eher kleinen Ölvorkommen im Süden der Arabischen Halbinsel. Das Land muss sich mit einer Vielzahl an Problemen auseinandersetzen, denn die 24 Millionen Bewohner sind großteils von Armut betroffen, und die wenig fruchtbaren Böden können die schnell wachsende Bevölkerung kaum ausreichend ernähren. Fast 40% der Bevölkerung sind ohne Arbeit. Die undemokratische Regierung tritt sehr autoritär auf, hat aber nur eine geringe Machtbasis und antwortete auf Proteste der Bürger, die für Demokratie und gegen Korruption demonstrierten, mit militärischer Gewalt.
Insgesamt muss der Jemen als uneinheitliches Land betrachtet werden, das kurz vor dem Zerfall steht. Die Gesellschaft weist wenig Zusammenhalt als Nation auf sondern wird traditionell von großen Stammesverbänden und Clans dominiert, von denen die meisten nicht zur Regierung stehen. Die Konfliktlinien im Jemen haben zum einen mit der anhaltenden massiven politischen und finanziellen Benachteiligung des Südjemens (der geographisch im Osten liegt) durch die Regierung zu tun. Südjemen war von der Unabhängigkeit von Großbritannien 1967 bis zur Vereinigung 1990 ein eigener, sozialistischer Staat gewesen. Aber die Wiedervereinigung zu einem Staat blieb eher oberflächlich, es gibt bis heute kaum eine gemeinsame Identität als Jemeniten, die einen Nationalstaat tragen würde. Auch die Wahlen von 1993 konnten kein demokratisches System etablieren, sondern führten 1994 nach dem Versuch der erneuten Abspaltung des Südjemens in einen Bürgerkrieg.
Zudem verschärft sich derzeit die religiöse Spaltung des Landes in Sunniten und Schiiten. Die sunnitische Regierung führt einen Krieg gegen die aufständische, vom Iran unterstützte, schiitische Huthi-Bewegung. Die Schiiten lehnen den starken politischen und religiösen Einfluss des benachbarten Saudi-Arabiens im Jemen ab (fundamentalistischer Wahabismus) . Dazu kommt der Krieg der Regierung gegen die Al-Hirak, welche schon wieder die Abspaltung Südjemens fordert. Und zu alledem schafft es die schwache Regierung nicht, die Aktivitäten der zahlreichen radikalen Islamisten (darunter auch eine starke Al-Qaida Gruppe) im Land einzudämmen.
Die Sozialstruktur des Jemen gilt außerdem als eine der schwächsten in der Arabischen Welt: Die Geburtenrate ist extrem hoch, die Rechtslage für Frauen ist sehr schlecht, Zwangsehen von 10jährigen Mädchen sind nicht die Ausnahme. Eine sehr altertümliche Auslegung der islamischen Scharia dient als allgemeine Gesetzesordnung. Die Männer im Jemen besitzen ihrer Tradition gemäß nahezu alle Schusswaffen, was die gewaltsame Austragung von Konflikten leider deutlich begünstigt.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Eine einfache Lösung der Situation ist nicht zu erwarten. Die Chancen auf einen Zentralstaat mit einer von allen Konfliktparteien akzeptierten Regierung stehen auch nach der angekündigten Abdankung von Präsident Ali Abdullah Salih, der seit 32 Jahren an der Macht ist, nicht überaus gut. Denn auch die demokratische Reformbewegung Islah bildet keine einheitliche politische Basis. Erste Option für die Zukunft muss zunächst sein, den Zusammenbruch und die totale Destabilisierung des Jemen zu verhindern. Dazu könnte unter Führung der Vereinten Nationen (UN) eine internationale Mandatstruppe - möglichst mit Beteiligung aus der Arabischen Welt – zeitlich begrenzt die Neugestaltung des Landes überwachen und dabei die Ausnutzung eines vorübergehenden Machtvakuums durch islamistische Terrorgruppen (wie z.B. in Somalia geschehen) verhindern.
Denkbar wäre in naher Zukunft eine Volksabstimmung im Südjemen über eine erneute Unabhängigkeit. Als Alternative dazu käme die Neubildung eines föderalen Staates Jemen mit ausgeprägten politischen und religiösen Autonomierechten in den Regionen bzw. für die Glaubensgemeinschaften der Sunniten und Schiiten infrage. Auch Entwicklungsprojekte, welche die soziale und wirtschaftliche Rückständigkeit im Jemen reduzierten, wären ein wichtiger Schritt, um die Fortsetzung der jahrzehntelangen Konfliktgeschichte des Landes dauerhaft zu unterbrechen.





