Kolumbien
Akteure
Beginn
Der derzeit stattfindende Konflikt in Kolumbien besteht bereits seit 1964 und wird einerseits von linken Guerilla-Organisationen (vor allem der FARC), die noch immer riesige Gebiete des Landes kontrollieren, sowie andererseits vom gewaltsam dagegen vorgehenden Staat und dessen Militär sowie rechten paramilitärischen Gruppen geführt. Die Ursachen des Konflikts liegen in der in Kolumbien schon seit langem sehr ungerechten Verteilung des Bodens und des Reichtums, denn die reichsten 20% der Bevölkerung besitzen weit über 80% des Vermögens. Dazu kommt das offiziell zwar demokratische, faktisch aber äußerst bestechliche und in sich abgeschlossene politische System des Landes, in dem die Macht und alle Ämter innerhalb einer kleinen Gruppe von Politikern und deren Anhang verteilt werden. Die Regierung ist korrupt, undemokratisch und hat wenig Rückhalt im Volk, dessen Interessen sie kaum vertritt.
Die FARC hatte sich dabei einst als kommunistische Bewegung zur gerechten Umverteilung des Reichtums und zur Vertreibung der ausländischen Unternehmen, welche mit Erlaubnis der daran beteiligten Regierung die zahlreichen Ressourcen Kolumbiens abbauten (Erdöl und -gas, Kohle, Edelmetalle und Edelsteine), gegründet. Sie entwickelte sich jedoch bald zu einer kriminellen und äußerst gewalttätigen Organisation, die bis heute unzählige Attentate verübte, die Bevölkerung in den von ihr besetzten Gebieten unterdrückt und jährlich systematisch hunderte Menschen entführt, um sie gegen Bezahlung freizulassen.
Vor allem aber hat es die FARC auf die Kontrolle des Koka-Anbaus abgesehen, denn Kolumbien produziert über 70% des weltweit verfügbaren Kokains, was gigantische Geldmengen einbringt. Aber auch Politik und Regierung, die den Drogenanbau mit Hilfe der USA offiziell massiv bekämpfen, haben faktisch tiefe Verbindungen zu den noch immer mächtigen Drogenkartellen, welche ebenfalls eigene Gebiete kontrollieren und praktisch in Feindschaft zu den Guerilla-Organisationen stehen. Zudem fließen weiter Zahlungen der Drogenkartelle an große Teile der korrupten politischen Eliten. Hinzu kommt ein Verband rechtsgerichteter Milizen (nichtstaatliche bewaffnete Gruppen) namens AUC, gegründet von reichen Großgrundbesitzern, welche ebenfalls nominell Krieg gegen die FARC führen und dabei auch brutale Angriffe auf die Zivilbevölkerung in den umkämpften Gebieten verüben. Und auch der AUC hat faktisch ein großes Interesse daran, sich einen möglichst großen Anteil an der Kokainproduktion zu erkämpfen. Insgesamt trifft es wohl zu, dass heute die Kontrolle des Drogenhandels samt der Anbaugebiete und Transportrouten noch vor der Ausbeutung der eigentlichen Bodenschätze den Hauptgrund für die Auseinandersetzungen darstellt.
War lange Zeit die FARC für den Großteil der Opfer des Bürgerkriegs verantwortlich, so hat die Regierung seit 2002 viel Geld in die Armee und die gewaltsame Ausweitung des Konflikts gesteckt. Vor allem mit finanzieller Unterstützung der USA, die die FARC als Terrororganisation einstuft, verfolgt der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe, seit seinem Amtsantritt 2002, eine Politik der militärischen Bekämpfung. Er will die FARC zurückdrängen und im ganzen Land Sicherheitskräfte verteilen. Kopfgelder für getötete Rebellen wurden ausgesetzt und massiv zur Ermordung von unschuldigen Zivilisten und politischen Gegnern missbraucht. Verhaftungen können ohne richterlichen Beschluss durchgeführt werden. Die rechten Milizen (AUC) werden von der Regierung immer noch unterstützt und dienen ihr zur Unterdrückung der bürgerlichen Reform- und Demokratiebewegungen, obwohl sie 2005 offiziell aufgelöst wurden. Unter dieser seit 2002 existierenden Situation leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Die ständigen gewaltsamen Konflikte, führen jährlich zu Tausenden von Toten. Schätzungen zufolge sind schon über vier Millionen Menschen aus Kolumbien geflohen. Noch immer warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Kolumbien, es gilt als einer der gefährlichsten Länder der Welt. So ist der Süden Kolumbiens eines der am dichtesten militarisierten Regionen weltweit.
Die 230.000 Mann starke Armee, die unter den Präsident Alvaro Uribe 2002 aufgestockt wurde, konnte in den letzten Jahren die FARC-Rebellen teilweise zurückdrängen. Im März 2008 wurde von Spezialkräften der damalige FARC Führer Manuel Marulanda getötet. Für die FARC war dieser Verlust ein schwerer Rückschlag. Auch in den folgenden drei Jahren, bis 2011, hat die Regierungsarmee es geschafft, FARC- Führer festzunehmen oder zu töten. Im November 2011 hat die Regierung bei einer weiteren Militäraktion den obersten FARC Führer „Alfonso Cano“ getötet. Trotz dieser vielen Niederlagen für die FARC bleibt die Rebellengruppe weiterhin eine große Bedrohung für die Sicherheit des Landes. Denn immer noch gibt es über 7000 Kämpfer, die ständig terroristische Anschläge verüben. Der Drogenhandel spielt dabei die größte Bedeutung bei diesem Konflikt zwischen Rebellengruppen und Regierungsarmee. Die FARC finanziert sich größtenteils durch den Kokaanbau, Kolumbien belegt bei der Kokainproduktion Platz eins in Lateinamerika.
Im Februar 2012 hat überraschenderweise die FARC eine Veränderung ihrer jahrelangen gewaltsamen Vorgehensweise angekündigt. In einem Video verkündigten sie, dass sie in Zukunft auf Lösegeld, Erpressungen und Entführungen verzichten wollen. Der jetzige Präsident Juan Manuel Santos zeigte sich erfreut über diesen Schritt der FARC, betonte aber, dass dies keineswegs ausreichen werde, um die militärischen Konflikte zwischen Armee und FARC zu belassen. Jedoch sei der Verzicht auf Erpressungen und Entführungen ein wesentlicher Bestandteil, um eventuell Friedensverhandlungen aufzunehmen.
Trotz der möglichen Verbesserungen im Februar 2012 bleibt die Menschenrechtslage in Kolumbien sehr schlecht. Der Drogenhandel führt zu einer hohen Kriminalitätsrate innerhalb des Landes, die vor allem die zivile Bevölkerung trifft. Die ungleiche Einkommensverteilung und die ständigen gewaltsamen Konflikte zwischen Regierungsarmee und Rebellengruppen lassen Kolumbien keineswegs ruhen. Auch von seitens des Militärs und der Polizei kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen. Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Frauen, Rekrutierung Minderjähriger, Verlegung von Landminen usw. sind Konflikte unter vielen in Kolumbien, die dringend gelöst werden müssen.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Durch die starke Zersplitterung Kolumbiens in gewaltsam verteidigte Bürgerkriegsgebiete und angesichts der schwachen und schlechten Regierungsführung droht das Land zu einem gescheiterten Staat zu werden. Keine Seite kann den Konflikt militärisch gewinnen. Ein Ausweg aus der jahrzehntelangen Kriegssituation kann langfristig nur über den Umbau des undemokratischen Staatssystems und durch gerechte soziale und wirtschaftliche Reformen realisiert werden. Weil dies mit der derzeitigen Regierung nicht zu erreichen ist, braucht Kolumbien eine friedliche Revolution seiner schon lange kriegsmüden Bürger.
Voraussetzung für dauerhafte Stabilität ist eine Befriedung des Landes und die möglichst freiwillige Entwaffnung der linken und rechten Rebellen und Milizen, was allerdings ohne erhebliche internationale Hilfe, bspw. durch die Vereinten Nationen (UN), nicht zu erreichen ist. Denkbar wäre in diesem Zusammenhang eine Amnestieregelung für einfache Kämpfer und ein aktiver Versöhnungsprozess neben der juristischen Aufarbeitung der Kriegsverbrechen. Auch die zivilgesellschaftliche Weiterentwicklung Kolumbiens mit dem Erlernen gewaltfreier Interessenvertretung und demokratischer Konfliktlösungsmechanismen muss dringend gefördert werden. Außerdem muss eine Lösung für das massive Drogenanbauproblem Kolumbiens gefunden werden: Das bedeutet einerseits den ländlichen Kokabauern eine alternative Existenzform zu ermöglichen und andererseits, den erbitterten Widerstand der Kokainmafia und Drogenhändler unter den Kriegsparteien zu brechen.








