Sri Lanka
Akteure
Beginn
Zur Geschichte des Konflikts:
Die Bevölkerung der Insel Sri Lanka besteht im wesentlichen aus zwei ethnisch-religiösen Gruppen: Den buddhistischen Singhalesen und den hinduistischen Tamilen. Die Singhalesen bilden mit rund 70 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe und leben vor allem im Süden, Westen und Zentrum des Landes. Die Tamilen machen dagegen etwa 15 Prozent der Inselbevölkerung aus und leben hauptsächlich im Norden und an der Ostküste des Landes. Hinzu kommen jeweils etwa 7% christliche und muslimische Glaubensgruppen. In der Vergangenheit gab es über Jahrhunderte parallele tamilische und singhalesische Königreiche auf der Insel, die großteils friedlich zusammenlebten und sich auch kulturell austauschten. Die britische Kolonialmacht, welche ab 1815 das heutige Sri Lanka unter dem Namen Ceylon beherrschte, bevorzugte jedoch die Minderheit der Tamilen und gab ihnen wichtige Posten in Wirtschaft und Verwaltung. Diese Sonderstellung und die Zusammenarbeit mit den Kolonialherren sorgte für Verärgerung bei der singhalesischen Mehrheit. Zudem wurden ab 1850 viele Tamilen aus dem benachbarten Indien von den Briten zur Arbeit auf den Teeplantagen ins Land geholt.
Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien 1948 schließlich kam es zu einer Radikalisierung der ethnischen Konfliktlinien. Der schnell wachsende Sinhala-Nationalismus verdrängte nun großflächig die Tamilen aus fast allen Bereichen von Verwaltung, (Land-)Wirtschaft und Bildung und ersetzte sie durch Singhalesen. Tamilen wurden systematisch benachteiligt und ab 1956 mit der Ernennung von Sinhala, der Sprache der Singhalesen, zur alleinigen Nationalsprache (zuungunsten der Brückensprache des Englischen, das als Kolonialsprache angesehen wurde) auch kulturell stark eingeschränkt. Zudem versuchte die Regierung, die zugewanderten indischen Tamilen aus der Kolonialzeit wieder aus dem Land zu vertreiben.
Nachdem 1972 eine neue Verfassung die Benachteiligungen der Tamilen offiziell festgeschrieben hatte und der Hinduismus zur bevorzugten Religion erklärt worden war, bildeten sich tamilische Parteien zur Abspaltung eines eigenen Staates (Tamil Eelam) sowie zunehmend gewaltbereite Widerstandsgruppen, unter denen sich die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) bald die alleinige Führungsrolle erstritt. Als 1981 tamilischen Abgeordneten ihre rechtmäßigen Parlamentssitze verweigert wurden, verschärften sich die Spannungen: Nach staatlich geförderten Ausschreitungen gegen Tamilen, bei denen auch gemordet und enteignet wurde, begann ab 1983 ein blutiger Bürgerkrieg zwischen der Regierung und den Separatisten der LTTE. Zudem wurde die Regierung Sri Lankas noch von 1971 bis 1989 in einen blutigen Untergrundkrieg mit der kommunistischen singhalesischen JVP (Janatha Vimukthi Peramuna) gezogen. Dieses Kriegschaos führte letztlich bis 2009 zu Hunderttausenden von Toten und Vertriebenen sowie zu unzähligen Kriegsverbrechen aller Teilnehmer an Zivilisten. Dazu kamen etliche Terroranschläge seitens der LTTE und der fragwürdige Einsatz von Kindersoldaten auf beiden Seiten.

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Zivile Konfliktbearbeitung
Als die staatliche Armee schließlich 2009 die über 25 Jahre von der LTTE kontrollierten Gebiete im Nordosten eroberte und die Rebellen verjagte, wurde der Krieg offiziell für beendet erklärt, die Probleme Sri Lankas sind damit allerdings noch keinesfalls gelöst. Noch immer leben über 70.000 Tamilen unter schlimmen Bedingungen zwangsweise in Lagern, da die Regierung noch immer Aufständische darunter vermutet. Die Regierung in Colombo muss zudem erkennen, dass ein militärischer Sieg ohne eine gesellschaftliche Lösung zur Versöhnung von Tamilen und Singhalesen nach 25 Jahren Krieg nur wenig nutzt. Der nationalistische Sinhala-Buddhismus der derzeitigen Politik der singhalesischen Mehrheit gefährdet noch immer massiv die Bildung einer gemeinsamen Gesellschaft mit Rechten für alle Minderheiten. Notwendig wären die kulturelle, religiöse und regionale Autonomie der Tamilen-Gebiete innerhalb eines gemeinsamen Staates sowie ein aktiver Friedensprozess zur Aufarbeitung der Kriegsgeschehnisse. Sri Lanka besitzt immerhin eine jahrhundertelange Geschichte des friedlichen Zusammenlebens von Buddhisten und Hindus, Singhalesen Tamilen, welche den idealen Rahmen zur Bildung einer gemeinsamen Identität als Nachbarn bereitstellen könnte.







