Konflikt in Sudan: Nordsudan / Südsudan
Akteure
Beginn
Der Sudan ist der größte Flächenstaat Afrikas (siebenmal so groß wie Deutschland) und ein sehr uneinheitliches Land. Der Norden wird von sich immer weiter ausbreitenden Wüsten und einigen Oasen bestimmt, der etwas feuchtere Süden von Savannen, Steppen und auch tropischem Regenwald. Die Bevölkerung besteht zu etwa 60% aus schwarzafrikanischen Völkern, die meist im Süden leben, und zu 35% aus Arabern, die im wesentlichen den Norden bevölkern. Es besteht insgesamt eine große Vielfalt an Ethnien, Sprachen und Kulturen. Die Minderheit der Araber besetzt nahezu alle Positionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft, was über viele Jahrzehnte dazu führte, dass ihre Gebiete bezüglich der Entwicklung und bei der Verteilung der Gelder aus dem Erdölhandel deutlich bevorzugt wurden. Außerdem gibt es starke Bestrebungen, den Islam als Staatsreligion auch in den andersgläubigen Teilen des Landes durchzusetzen.
Die Regierung in der Hauptstadt Khartum ist in zwei parallele Konflikte verstrickt: Zum einen kämpft sie, wie schon von 1955 bis 1972, seit 1983 wieder anhaltend gegen separatistische, meist schwarzafrikanische Bewegungen im Süden des Landes, welche seit langem die Unabhängigkeit des vernachlässigten Südsudans fordern. Zum anderen führt sie seit 2003 einen Krieg um die große Westprovinz Darfur, in welcher sich ebenfalls nichtarabische Völker gegen ihre Unterdrückung und Vernachlässigung durch Khartum wehren. Dabei gehen die Truppen und Reitermilizen der arabischen Regierung äußerst gewalttätig und zerstörerisch vor, was anhaltend zu Hungersnöten, dramatischen Menschenrechtsverletzungen und getöteten Zivilisten führt. Kritiker reden von versuchtem Völkermord, Präsident al-Baschir wurde vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt.
Die Konfliktlinien und Interessen der Kriegsparteien überschneiden sich vielfach, sowohl im Süden wie auch in Darfur. Gekämpft wird in erster Linie um die Unabhängigkeit bzw. um die Macht in den aufständischen Gebieten und um die Kontrolle über die ansehnlichen Öl- und Rohstoffvorkommen (Eisen, Gold, Uran) des Landes. Darüberhinaus geht es um die Nutzung der schwindenden fruchtbaren Agrarflächen des großteils – vor allem im Norden - staubtrockenen Sudans. Es kommt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen der arabischen Bevölkerung, die traditionell nomadisch mit riesigen Tierherden umherzieht, und den meist sesshaften Bauern der schwarzafrikanischen Völker. Dazu spielen aber auch ethnische Spannungen zwischen Schwarzafrikanern und Arabern, religiöse Unterschiede von Moslems, Animisten und Christen sowie eine lange Geschichte von Gewalttaten und Vergeltungen auf beiden Seiten eine Rolle. Es wäre allerdings nicht zutreffend, den Konflikt auf ethnische oder religiöse Unterschiede zu reduzieren, zumal die Ethnien des Sudan nicht klar abgegrenzt auf die Konfliktparteien verteilt sind.

Dieser Text ist zu den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz »Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 Deutschland« freigegeben.
Download
Zivile Konfliktbearbeitung
Die Aufständischen gegen die Regierung setzen sich aus zahlreichen Rebellenorganisationen (vor allem SPLA und JEM) mit vielen Untergruppen zusammen. Vermittlungsversuche und Waffenstillstände, die etwa durch die Afrikanische Union erreicht worden waren, hatten meist nur eine kurze Lebensdauer. Da der Sudan, wie die meisten Staaten Afrikas, eine Erfindung der einstigen Kolonialmacht (Großbritannien) ist, existiert praktisch keine gemeinsame Basis seiner Völker für eine gemeinsame Nation bzw. einen Nationalstaat. Angesichts der vielschichtigen Kriegsinteressen und der langen Konfliktgeschichte scheint die Abspaltung des Südsudan zu einem eigenständigen Staat den vielversprechendsten Weg in eine friedlichere Zukunft darzustellen. Die dafür benötigte Volksabstimmung wurde 2011 im Süden durchgeführt und ergab eine nahezu einstimmige Befürwortung der Unabhängigkeit. Seit dem 9.Juli 2011 existierten mit Nordsudan und Südsudan nun also zwei getrennte Staaten, welche jeweils dem Großteil der arabischen (Norden) und schwarzafrikanischen Völker (Süden) eine eigene Heimat geben.
Auch wenn dies eine sehr gute Chance für die Beendigung des jahrzehntelangen Kriegszustands darstellt, wäre es klug, wenn beide Seiten ihre Zukunft als Nachbarstaaten von einer gemeinsamen Aufarbeitung der langen Kriegsgeschichte und der gegenseitigen Menschenrechtsverletzungen begleiten ließen. Unterstützt duch internationale Vermittler wäre dies ein guter Ansatz, um zukünftigen Feindschaften und Vergeltungsforderungen zuvorzukommen.
Im Falle Darfurs, welches noch immer zu Nordsudan gehört, weigert sich die Regierung massiv, eine ähnliche Lösung zu akzeptieren. Hier müsste zuerst das Friendensmandat und die Stärke der seit 2007 vor Ort stationierten Truppen der UN und der Afrikanischen Union deutlich ausgeweitet werden, um zunächst eine Befriedung der Region zu erreichen. Dafür muss angesichts der Menschenrechtssituation dort dringend eine größere Unterstüzung der Darfur-Mission im UN-Sicherheitsrat eingeworben werden.





