Tschad - Energie statt Entwicklung
Methodenvorschläge: Pro-Contra-Debatte, bzw. strukturierte Kontroverse, Partnerpuzzle oder Abfassung eines Kommentars für eine Zeitung zum Konflikt und möglicher Konfliktlösung. Aus: Anne Huber – Kooperatives Lernen - kein Problem (Effektive Methoden der Partner- und Gruppenarbeit)
Im Jahr 1960 erlangte der Tschad unter Präsident François Tombalbaye die Unabhängigkeit von Frankreich. Als Regierungssystem wurden demokratische Institutionen mit westlichem Hintergrund eingeführt, die jedoch nach kurzer Zeit zerfielen. Das demokratische System war viel zu instabil, um dem präsidentiellen Missbrauch staatlicher Macht standhalten zu können. Zudem fehlten die Grundlagen für eine Demokratie in der Gesellschaft, so dass sich bald eine Diktatur mit unumschränkter Macht des Präsidenten herausbildete. Bereits seit 1966 bis in die Gegenwart finden Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und verschiedenen Rebellengruppen statt. Ziel der Rebellen, die sich zur FROLINAT zusammenschlossen, war der Sturz des Präsidenten Tombalbaye. Der Sieg der FROLINAT 1975 bedeutete gleichzeitig das Ende der politischen Dominanz des christlichen Südens über den islamisch geprägten Norden. Diese Gewichtung mit der bevorzugten wirtschaftlichen und politischen Förderung des Südens durch die Kolonialmacht Frankreich hatte auch den nachkolonialen Tschad stark geprägt. Die FROLINAT zerfiel nach dem erfolgreichen Sturz Tombalbayes in einzelne Gruppen, die schließlich um die Macht und Kontrolle des Staates kämpften. Die einzelnen Rebellengruppen stellten abwechselnd Regierungen, allerdings ohne jede Legitimation. Die Zeit nach der Auflösung der FROLINAT stellt die verlustreichste Phase der Auseinandersetzungen im Tschad dar. Neben der Zerstörung der Hauptstadt N'Djamena und des Großteils der Infrastruktur des Landes waren mehr als 200.000 Tote und 100.000 Flüchtlinge zu verzeichnen.
Die zweite Konfliktlinie bezieht sich auf den Aouzou-Streifen, auf den sowohl Libyen als auch der Tschad Anspruch erheben. Der seit 1983 amtierende Präsident Hisséne Habré gewann 1986/87 den Krieg um den besagten Streifen. Habre wurde von seinem ehemaligen Oberbefehlshaber und jetzigen Präsidenten Idriss Déby gestürzt, welcher finanzielle und logistische Unterstützung aus Libyen erhalten hatte. Unter Präsident Déby beruhigte sich die Lage im Tschad. Der Regierungsstil blieb jedoch autoritär und Menschenrechtsverletzungen gehörten immer noch zum Alltag. Abgesehen vom kurzen zwischenstaatlichen Krieg mit Libyen ist der Konflikt im Tschad eine Auseinandersetzung innerhalb der herrschenden Eliten des Landes. Die Vielzahl verschiedener Rebellengruppen, die über die Jahre gegen die wechselnden Regierungen gekämpft haben, wurden immer wieder von den Mitgliedern der kleinen politischen und militärischen Elite des Tschads angeführt. Nur Mitglieder dieser Elite konnten Kräfte aus den verschiedenen Volksgruppen hinter sich versammeln, um den amtierenden Präsidenten zu gefährden oder gewaltsam abzulösen. Die Herausforderer waren in der Regel zuvor Präsident, Minister oder ranghohe Offiziere gewesen. Grundsätzlich strebten alle Rebellengruppen die Übernahme der Regierung in der Hauptstadt an, um in die damit verbundenen Machtpositionen zu gelangen. Wesentlich sind dabei die Kontrolle des wirtschaftlich stärkeren Südens und seiner Ölförderung und zum anderen die Kontrolle über die Armee.
Mit der gleichen Motivation gründete Youssouf Togoimi, ehemaliger Verteidigungsminister von Déby, die Rebellengruppe MDJT 1998 im Norden des Landes. Im Verlauf der Friedensabkommen im Jahr 2002 spaltete sich die MDJT in zwei Lager. Duch durch den Tod des Anführers und Gründers Togoimi vertiefte sich der Zwiespalt innerhalb der MDJT, wobei sich nur ein Lager an das Friedensabkommen hielt und somit im Verlaufe der Zeit in eine politische Partei umgewandelt werden sollte. Das andere Lager bestritt das Friedensabkommen und führte den Kampf gegen das Déby-Regime weiter.
Erschwert wird die Einschätzung der krisenhaften Lage im Norden des Tschad durch einseitige, falsche oder ausbleibende Berichterstattung. Entweder werden die Berichte von den jeweiligen Parteien zu ihren Gunsten manipuliert oder eine Bestätigung von Ereignissen durch Dritte fehlt.
Im Osten und Süden des Tschad ist insbesondere die ANR, ein Zusammenschluss von acht verschiedenen Rebellenbewegungen, aktiv. Ähnlich wie bei der MDJT spaltete sich die ANR 2003 aufgrund eines Friedensabkommens mit der Regierung. Die zugehörige Gruppe FONALT lehnte das genannte Abkommen ab und führte nun den Kampf gegen Déby allein weiter. Der Erfolg der Rebellengruppen hing maßgeblich von der Unterstützung der Länder Sudan, Libyen oder Frankreich ab, die im Tschad wichtige Militärstützpunkte unterhalten.
Die dritte Konfliktlinie beschreibt den Ressourcenkonflikt in Darfur im Jahr 2003 der in einer humanitären Katastrophe mündete. Den einzelnen Konfliktparteien geht es vorrangig um den Zugang zu dem wenig fruchtbaren Land und den geringen Wasserquellen. Aufgrund des geringen Niederschlags und den daraus resultierenden Dürren und katastrophalen Hungersnöten verschärft sich der Konflikt zusätzlich. Neben den ökologischen Ursachen wird die wirtschaftliche und politische Marginalisierung der Darfur Region als weiterere Konfliktursache angegeben (wie zum Bsp. schlechte Infrastruktur, fehlende Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen etc.).
Als weiterer Faktor in dem komplexen Konfliktgeschehen werden die Erdölvorkommen und die Verteilung der Öleinnahmen angesehen. Die Rebellengruppen „Sudan Liberation Movement/ Army“ (SLM/A) und die JEM (Sudanese Justice an Equality Movement) fordern eine gerechte Verteilung der finanziellen Ressourcen und der politischen Macht um eine weitere Marginalisierung zu verhindern.
Die jeweiligen Konfliktparteien unterscheiden sich insbesondere durch ihre Lebensform – sesshaft versus nomadisch. Erst in der letzten Zeit wurden die Konflikte ethnisch aufgeladen indem den gegensätzlichen Lebensformen Attribute zugeschrieben wurden: arabisch wurde mit nomadisch und schwarzafrikanische mit sesshaft verknüpft. Ethnische Vorurteile wurden bewusst herbeigeführt um die Bevölkerung für die einzelnen Rebellenorganisationen und Milizen als Mitglieder oder Kämpfer zu gewinnen.
Akteure
Beginn
Zivile Konfliktbearbeitung
Internationale Aufmerksamkeit gewann der Konflikt in Darfur erst 2004, obgleich eine hohe Opferzahl zu verzeichnen war und immer noch ist. Seit dem Beginn der Kämpfe zwischen der SLM/A und JEM auf der einen sowie Regierungstruppen und der Janjaweed-Milizen auf der anderen Seite kam eine Vielzahl an Menschen durch Waffengewalt oder kriegsbedingte Krankheiten zu Tode. Mehr als zwei Millionen Menschen sind Binnenvertriebene und ca. 200.000 sind in den benachbarten Tschad geflohen. Seit 2006 nahm die grenzüberschreitende Gewalt stark zu und beeinträchtigt die Stabilität des Tschads. An der durchlässigen Grenze zwischen Tschad und Darfur bewegen sich mehrere bewaffnete Gruppen, von denen ein Teil von der sudanesischen Regierung unterstützt wird und der Andere der der tschadischen Rebellengruppen angehört. Die Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU), welche den geschlossenen Waffenstillstand überwacht und die Zivilbevölkerung schützen, wurden von den Vereinten Nationen abgelöst.


