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UN-Dekade

Volkszählungsboykott – informationelle Selbstbestimmung

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Akteure

Bundesregierung
Bundesverfassungsgericht
Bürgerinitiativen
Prominente
Politiker
Datenschützer

Beginn

1983

Im Jahr 1982 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz über eine Volkszählung. Jeder Haushalt sollte einen Fragebogen ausfüllen, wo auch viele Fragen gestellt wurden, die richtig ins „Eingemachte“ gingen. Abgefragt wurden nicht nur die Einwohnerzahl, sondern Angaben über die Familie, über Häuser und Wohnungen, über die Arbeitsplätze und die Unternehmen, in denen gearbeitet wurde. Die Ausfüllung der Fragebögen sollte kontrolliert werden. 600.000 Zähler wurden auf die Bevölkerung angesetzt.

Dieses Ausgefragtwerden für Zwecke, die vielen Bürgern nicht einsichtig waren, führte zu Massenprotesten. Die Bürger schlossen sich zusammen, zum „Volkszählungsstreik“. Der Staat verhängte Bußgelder wie beim zu schnellen Fahren. Da passierte etwas Unerwartetes: Einige Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte klagten vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Volkszählung – und gewannen. Das Gericht stoppte die Zählung. In seinem Urteil gab das Gericht den Opponenten Recht. Viele Fragen verstießen gegen die Menschenwürde und das Recht, über seine Daten und deren Verwertung grundsätzlich selbst zu bestimmen („informationelle Selbstbestimmung“). Das Gericht machte darauf aufmerksam, dass ein riesiger Datenpool entstehe, der vom Staat für alle möglichen Zwecke ausgewertet werden könne. Der Bürger müsse aber im Vorhinein wissen, wofür er seine Daten hergebe. Der Staat brauchte Jahre, um diese Niederlage zu verdauen. Später wurden nur noch Befragungen für ausgewählte Haushalte durchgeführt („Mikrozensus“). Der Protest hatte also Erfolg.

 

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Zivile Konfliktbearbeitung

Wie würdes Du dich verhalten?

a)         Was hättest Du gemacht? Die Fragebögen ausgefüllt?

b)         Aber ein Bußgeld hätte ich nicht riskiert.

c)         Ich hätte beim „Volkszählungsstreik“ mitgemacht.

d)         Wenn ich von der Möglichkeit der Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Volkszählung gehört hätte, hätte ich mitgemacht. Es ist doch schön, einen solchen tollen Prozess zu gewinnen (auch wenn man das vorher nicht weiß).

e)          Eine neue Volkszählung ist geplant, wie gehen denn heute Menschen mit ihren Daten um? Glaubst du der Protest wird wieder so heftig?